Die Orgel der Christuskirche

Auf den ersten Blick ins Auge sticht die ungewöhnliche räumliche Platzierung der Orgel hinter dem schmiedeeisernen Gitter über Kanzel und Altar.

Bereits die erste Orgel der Christuskirche, ein romantisch disponiertes Instrument der Durlacher Firma Voit befand sich mitsamt dem Spieltisch in dieser komplett vom Kirchenraum getrennten Nische.

Ein Bombenangriff im Februar 1945, dem unter anderem auch die Voit-Orgel zum Opfer fiel, machte einen Orgelneubau notwendig, der von der Firma Steinmeyer realisiert wurde.

Mit 33 Registern auf 2 Manualen und Pedal war die neue Orgel etwas größer als das Vorgängerinstrument, dafür füllte allerdings auch das Orgelwerk mit seinen platzaufwendigen Taschenladen die gesamte Orgelnische aus, so daß der Spieltisch auf der gegenüberliegenden Chorempore aufgestellt und die Register elektropneumatisch angesteuert werden mussten.

Die Steinmeyer-Orgel wurde zweimal von der Überlinger Orgelbaufirma Mönch und Prachtel überarbeitet; vor allem der Umbau im Zuge der Kirchenrenovierung von 1974 brachte dabei einschneidende klangliche Veränderungen mit sich. Dem damaligen Zeitgeist entsprechend mußte das bisher eher romantisch-orchestral geprägte Klangbild einer neobarocken Disposition weichen; zahlreiche Grundstimmen wurden dabei durch Farbregister ersetzt. Die elektropneumatische Traktur und die Aufstellung der Spieltischs auf der Chorempore blieben jedoch erhalten.

Schon nach wenigen Jahren wies die Orgel sowohl in klanglicher als auch in technischer Hinsicht irreparable Mängel auf, sodaß erneut ein Neubau beschlossen wurde.

Die von Organisten und Sachverständigen geforderte Rückkehr zu einem mechanischen Traktursystem warf hinsichtlich der Platzierung der Spieltischs große Fragen auf. Nach weiteren Schwierigkeiten, die nicht zuletzt auch durch die Insolvenz der mit dem Neubau beauftragten Firma Thölken, Unterbaldingen, zutage traten, konnte der Elsässer Orgelbauer Remy Mahler ein komplett neues technisches Konzept vorlegen: Der Spieltisch wurde unterhalb der Orgelnische eingehängt und ist nun über den bisherigen Kanzelgang zugänglich. Diese Konstruktion ermöglichte den Bau einer hängenden Traktur, die ohne Umlenkungen auskommt und so eine extrem leichtgängige und sensible Spielbarkeit gewährleistet. Die Werkanlage entspricht dem klassisch-französischen Prinzip, durch das reich besetzte Schwellwerk ist jedoch auch romantische Literatur gut darstellbar. Auch in klanglicher Hinsicht kann und will die Orgel ihre französische Herkunft nicht verleugnen: Remy Mahler orientierte sich bei der Intonation an einem seiner elsässischen Vorgänger aus dem 19. Jh., dem Orgelbauer Michael Stier.

Trotz der komplizierten Baugeschichte ist so ein wertvolles und klangprächtiges Instrument entstanden, das seit seiner Einweihung im Jahr 1996 in Gottesdienst und Konzert zum Lob Gottes und zur Freude der Gemeinde erklingt.

 

 

Disposition

 

 

I. Hauptwerk (C-g''')

II. Positif (C-g''')

III. Récit (C-g''')

Pedal (C-f)

Bourdon 16'

Montre 8'

Quintaton 16'

Soubasse 16'

Montre 8'

Cor de nuit 8'

Flûte harmonique 8'

Basse 8'

Bourdon 8'

Prestant 4'

Gambe 8'

Violoncelle 8'

Gambe 8'

Nazard 2 2/3'

Voix céleste 8'

Bombarde 16'

Prestant 4'

Flageolet 2'

Flûte octaviante 4'

Clairon 4'

Flûte à cheminée 4'

Tierce 1 3/5'

Octavin 2'

 

Doublette 2'

Plein jeu 2' 4f

Harmonia aetherea 2 2/3' 2-3f

 

Fourniture 1 1/3'

Cromorne 8'

Trompette harmonique 8'

 

Cymbale 1/2' 3f

 

Basson - Hautbois 8'

 

Cornet 8' 5f ab f

 

 

 

Trompette 8'

 

 

 

Quinte 2 2/3'

 

 

 

 

 

Koppeln

 

II/I, III/I, III/II

I/P, II/P, III/P

 

Tremblant doux (Hauptwerk+Positif)

Tremblant fort (Récit)

 

Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

 

Stimmung: Kirnberger III